Ich wollte doch machen, was ich will…

Ok, here we go: Mal ein kleiner Rant zum Thema Authentizität:

Ich und meine "glücklich und frei"-Tasse. Im Hintergrund mein geliebtes kreatives Chaos.

Weil man das heute so macht, beschäftige ich mich mit sozialen Medien. Das nebenstehende Foto hab ich z.B. für Instagram aufgenommen. Und der nachfolgende Text, war einfach zu lang, um ihn komplett auf Insta zu posten. Aber das Thema beschäftigt mich – wie so viele – eben differenzierter, also…

Das Wesentliche an dem Bild:

Meine „Glücklich und Frei“-Tasse.

Die hat mir einer meiner absoluten Lieblingsmenschen geschenkt, anlässlich meiner Entscheidung, meinen Brotjob zu kündigen und ein Jahr lang nur zu machen, was ich will und mich künstlerisch auszuprobieren. (Ich kann das nicht einfach so. Ich habe hart dafür gearbeitet, dass das finanziell geht, aber auch das Glück in einem privilegierten Land zu leben, in dem es mit ein paar Jahren Klotzen und Sparen ganz gut machbar ist, sich so einen Selbstfindungstrip zu erlauben. – Ja, ist mir wichtig, mich dafür zu rechtfertigen.)

Seit Mai diesen Jahres sollte ich dann auch endgültig „glücklich und frei“ sein. Zum Teil hat das super geklappt: Ich habe endlich wieder einen kreativen Flow erlebt, eine Kurzgeschichtensammlung in zwei Bänden geschrieben und veröffentlicht.

„Es ist wichtiger, man selbst zu sein, als von allen gemocht zu werden.“
Ich weiß das. Ich hab es wahrscheinlich tausendmal gehört und tausendmal zu anderen gesagt. Und ich kann auch danach leben. Tue es sogar. Aber es ist halt anstrengend. Jeden Tag.

Aber dann hänge ich auf Instagram und versuche meine Bücher zu „promoten“ und noch „Content“ zu liefern, der für meine „Brand“ relevant ist und habe so viel Sachen im Kopf, die da nicht reinzupassen scheinen. Leute, mal harmlos gesagt: Ich bin in den letzten Tagen, trotz Freude über meine Buchveröffentlichung etc., haarscharf am In-ein-Loch-Fallen vorbeigeschlittert.

Und warum? Weil ich mich wieder so fühle, wie auf dem Schulhof: So richtig gehöre ich nicht dazu. Ich kann die anderen zwar imitieren, aber so richtig echt wirkt es nicht. Und was noch wichtiger ist: Ich habe überhaupt keinen Bock drauf. Und das merkt man mir auch an.

Und kein Psychologiestudium, keine Yogalehrerausbildung und keine erbaulichen Zitate auf Facebook und Instagram haben jemals diesen einen abgedroschenen Satz tief genug in mich hineinbekommen, als dass ich mich wohl fühlen würde, danach zu handeln: „Es ist wichtiger, man selbst zu sein, als von allen gemocht zu werden.“

Ich weiß das. Ich hab es wahrscheinlich tausendmal gehört und tausendmal zu anderen gesagt. Und ich kann auch danach leben. Tue es sogar. Aber es ist halt anstrengend. Jeden Tag.

Mir zittern die Hände, während ich das hier tippe und mir vorstelle, es zu veröffentlichen. Was wenn dich jetzt alle uncool und verrückt finden? Das kannst du nicht machen! Diese narzisstische Selbstoffenbarung und dieser umgangssprachliche Schreibstil! Das ist unprofessionell und du wirkst als hättest du psychische Probleme. Nein, hab ich nicht, zumindest nicht mehr als jeder andere auch. Ich brauche auch keine Streicheleinheiten in den sozialen Medien – hihi, ok vielleicht ein bisschen, aber das würde ich niemals zugeben. ; )

Aus genau dem Grund habe ich die letzten Jahren keine sozialen Medien genutzt: weil ich weiß wie das läuft: Wider besseren Wissens mache ich mich doch so schnell abhängig von diesen kleinen roten Herzchen und Daumen-hoch-Symbolen. Dann versuche ich auch so einen tollen, geleckten Account mit homogenen Bildern und kurzen prägnanten Infos zu erstellen.

Sorry Leute, das bin nicht ich.

Ich bin ein Schwallkopf, der sich nicht kurzfassen kann. Und kein Mensch ist ja wohl so konsistent, wie sein Insta-Account! Ich habe heute den Drang einen tiefgründigen Seelenstriptease zu vollführen und morgen hau ich einfach nur nen platten, unreflektierten Witz über Donald Trump raus (Der bietet sich aber auch dafür an :p ).

Ich bin heute völlig politikverdrossen und weltschmerzgeplagt und morgen voller Hoffnung für die Menschen und die Gesellschaft. Ich schreibe und lese heute bitterböse Politsatire oder Gesellschaftskritik und morgen eine seichte oder epische Schmonzette.

Wenn die Leute das zu chaotisch oder inkonsequent finden oder sich nicht die Mühe machen wollen, sich das rauszusuchen, was ihnen liegt, dann sind das wahrscheinlich eh nicht meine Leser.

Und ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Also müsste ich mich ja schämen, das hier nicht zu veröffentlichen. Das hier und weiteren „Content“, der vielleicht keine „Brand“ macht, aber zu mir gehört. Denn ich wollte ja machen, was ich will.

Und am Ende kommt mir wahrscheinlich doch so ein blöder BWLer und erzählt mir, dass das dann eben genau meine „Brand“ ist.

Scheiß drauf! Meinetwegen auch das. So richtig echte Authentizität ist eine „Brand“, mit der ich mich identifizieren kann. Das hier fühlt sich gut an!

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